Dienstag, 8. April 2008

Seite an Seite

Ja, fahre nur, ist nicht schlimm. Ich schaffe es alleine. Einfach aufstehen, verabschieden, Danke für vieles vielen sagen, den Koffer nehmen und gehen. Nach draußen gehen, atmen, tief die frische Luft atmen. Einen kurzen Augenblick genießen, für Momente die Welt anhalten, wissen, gleich bin ich zurück, zurück in dieser Welt. Ich habe es geschafft, um mein Leben gekämpft und gerungen, du an meiner Seite, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Wir haben gewonnen. Ja, würde nun gerne mit dir gemeinsam von hier fort, doch beruflich Wichtiges ist drängender, nein ist nicht schlimm, fahre nur, schaffe den Weg zurück nach Hause auch allein.

Doch lasse mich nicht zu lang allein. Habe Angst vor dem Zimmer, vor dem Tisch, dem Stuhl. Saß dir gegenüber, sah dein Gesicht, noch lächelnd, noch lieb, dann immer blasser, Nebel zog auf, Schleier vor den Augen, Donner und Blitze in meinem Kopf, kein Gedanke mehr, kein Denken, ich fiel, ich stürzte endlos durch ein Nirgendwo von einem Augenblick auf den anderen. Tage zwischen Leben und Tod, hörte wie aus endloser Ferne in der Klinik deine Stimme, verstand kein Wort, spürte deine Hand, konnte Zärtlichkeit nicht erwidern.

Du warst da. Jeden Tag. Konnte nicht reden, konnte dich nicht sehen, wusste nur, du bist da. Seite an Seite, Rücken an Rücken im Kampf gegen das, was mich bedrohte. Wochen, Monate, ich war dir nie so nahe, du mir nie so intensiv. Keine Liebesnacht so gewaltig wie diese Nähe. Du schenktest Kraft, du schürtest Verlangen, du locktest mit Träumen dieser Welt, ich brauchte nur verstehen, brauchte nur nehmen - zusammen unschlagbar gegen alles, was da kam.

Fast hundert Tage in der Klinik und endlich darf ich hier sitzen vor der Tür, atmen, tief atmen. Ich nehme ein Taxi, nein, ist wirklich nicht schlimm, dass du nicht kannst. Fahre nur, denke einfach, ich sitze neben dir, erzähle dir von den Träumen dieser Welt. So wie du an meiner Seite, Nacht für Nacht, Tag für Tag.

Hände berühren mich, tasten, streicheln, halten meine Augen zu. Höre deine Stimme, höre deinen Gesang, höre unser Lied, unser Lied aller Lieder. "Sleeping Sun", so wie damals, damals an dem verrückten Tag in Venedig, als wir das Lied von "Nightwish" singend über den Markusplatz tanzten. Mein Atem stockt, möchte schreien und kann nicht, Tränen sprudeln ungewollt, mache mich frei, sehe dein Gesicht, schreie dann doch vor lauter Glück, falle endlos tief in deine Arme. Höre dein Summen der Melodie, wir tanzen, wir gleiten, wir schweben.

Küsse, dankend, liebend, kein Summen, kein Singen, die Melodie spielt einfach weiter in den Gedanken und wir tanzen und küssen. Trockne Tränen an deiner Schulter, du flüsterst leise irgendwas von Absage, Termin einfach storniert, diesen wichtigen, diesen großen.
Und? Was hast du denn gesagt, warum, wieso?

Er sieht mich an, sieht mich an mit diesem Lachen im Gesicht, mit diesem Lachen, das ich so unendlich liebe.
"Ich habe gesagt, nichts ist wichtiger als du."


Liebe Grüße von
Laureen

Sonntag, 30. Dezember 2007

Lust ist willig

Alles verschwimmt,
alles vermischt,
Musik, Stimmen, Stöhnen,
spüre deine Kraft,
spüre deine Lust,
spüre dein Drängen,
will schreien, kann nicht schreien,
schreie stumm mit geknebeltem Mund,
will sehen, kann nicht sehen,
sehe blind mit gebundenen Augen.

Lust ist willig,
Lust wird geil,
knie, diene, unterwerfe,
empfange dich in mir,
empfange deine Stöße,
empfange deine Schläge,
willenlos mit Wünschen erfüllt,
tanze mit Phantasien,
wild und entfesselt,
gebunden in deinen Fesseln.

Bin erniedrigt,
werde erniedrigt,
will es, begehre es, verlange es,
du kommst in mir,
du ergießt dich in mir,
du löst dich auf in mir,
bist ohne Willen, nur Verlangen,
bist in mir gefangen,
gebe dich wieder frei,
um neu dich zu unterwerfen
im ewigen Zauber der Lust.


Liebe Grüße von
Laureen

Freitag, 28. Dezember 2007

Vom Mondlicht geküsst

Tanzen, singen, schmusen,
im Wiegeschritt
durch weihnachtliche Nacht,
sanftes Licht
auf flackernden Kerzenschein,
hell, immer heller,
unglaublich sanft,
verzaubert,
zieht magisch an.

Wer jemals vom Mondlicht geküsst,
ist zur Liebe verführt immerfort.

Hinaus, wir müssen hinaus,
tanzen, singen, schmusen,
im Wiegeschritt
durch winterliche Nacht.
Alles so zauberhaft
auf feinem Schnee,
alles so geheimnisvoll
zwischen schneebedeckten Tannen,
alles so unheimlich klein
unter mächtig weißen Bergen.

Wer jemals vom Mondlicht geküsst,
ist zur Liebe verführt immerfort.

Hand in Hand über verschneite Wege,
tanzen, singen, schmusen,
im Wiegeschritt
durch winterliche Nacht.
Alles glitzert, alles funkelt,
Eiskristalle erwachen zum Leben,
vom feinen Mondlicht geküsst,
Stehen und staunen,
verzückt kleine Lichter entdecken,
kein Mensch
kann sich mit euch schmücken,
kein Mensch
kann euch bezahlen.

Wer jemals vom Mondlicht geküsst,
ist zur Liebe verführt immerfort.

Einfach hinein in tiefen Wald,
tanzen, singen, schmusen,
im Wiegeschritt
durch winterliche Nacht.
Kleine Tannen,
schüchtern versteckt
unter schneeweißer Haube,
für Momente erhellt
im flutenden Mondeslicht.
Wäre der Frieden
jemals an einem festen Ort,
er würde wohnen
in dieser kleinen Welt
zwischen gestern und morgen.

Wer jemals vom Mondlicht geküsst,
ist zur Liebe verführt immerfort.

Ich spüre dich, ich will dich,
tanzen, singen, schmusen,
im Wiegeschritt durch winterliche Nacht.
Rundum alles so ruhig,
nicht ein einziges Wort.
Empfange Küsse,
empfange Hände,
Gefühle explodieren,
zerfalle vor Lust,
liege tief in deinen Armen,
sehe nur dieses wunderbare Licht,
so unglaublich sanft,
du schickst mich auf die Reise,
hinauf zum Mondeslicht.

Wer jemals vom Mondlicht geküsst,
ist zur Liebe verführt immerfort.


Liebe Grüße von
Laureen

Montag, 24. Dezember 2007

Schenke ich Dir was von mir

Weihnachten


Ich wünsche Euch allen wundervolle Weihnachten.

Wenn Dich in dieser Nacht die Einsamkeit erdrückt,
umarme ich Dich lieb,
halte Dich fest.
Du musst es nur spüren.

Wenn Dich in dieser Nacht die Verzweiflung frißt,
reiche ich Dir meine Hand,
meine Hilfe ist Dir gewiß.
Du musst es nur wollen.

Wenn Dich in dieser Nacht die Traurigkeit verfolgt,
küsse ich Dir sanft die Wange,
bis du wieder lachst.
Du musst es nur zulassen.


Liebe Grüße von
Laureen

Sonntag, 23. Dezember 2007

Nur eine Nacht

Ausgerechnet dieser Ort. Das Hotel direkt am Meer, das Zimmer weit hoch über den Dünen, der Seminarraum mit Blick auf den Strand. Immer noch der gleiche Wind, immer noch der türmende Sand vor der brausenden Brandung. Kann mich nicht konzentrieren, Unruhe frißt, die Gedanken immer wieder bei jenem Tag.

Es war so wunderschön warm. Sanft streichelte mir der Wind dort oben hoch auf der Düne über die Haut, der ständige Wellenschlag wie ein nie endendes Konzert und der Blick wanderte hinaus über das Wasser zum Horizont, segelte mit den Gedanken hinaus in ferne Welten, ließ mich träumen von Wünschen, Glück und Begehren. Ich hörte dich nicht kommen, warst plötzlich einfach da, erzähltest von diesem Platz, von deinem Ort, von dem schönsten Punkt der Welt. Wir wurden Freundinnen in Sekunden, unternahmen in Gedanken gemeinsame Reisen dort zum Horizont weit über dem Meer. Gemeinsam barfuß durch den Sand, hinein in die kleinen Wellen, tobten mit deinem Hund, spielten im Wasser, lachten, redeten, kamen einander immer näher.

Es war viel zu spät. Kein Zug brachte mich von dem Ausflug mehr nach Haus - wir saßen noch immer dort droben auf der Düne und bestaunten beide still schweigend das Schauspiel der untergehenden Sonne tief im Horizont auf dem weiten Meer. Gleißendes Licht in warmen Farben, die Wellen tanzten in eigenen Funken, Momente für die Ewigkeit, die nur der erkennt, der sie verstehen kann. Ich fühlte deine Hand, hörte wie du mich batest zu bleiben, zu bleiben diese Nacht im Hause da drüben.

Wir schlichen hinein, an deinen Eltern vorbei, verstecktest mich in deinem Zimmer, holtest Essen, hörten Musik, lagen einfach nur auf dem Bett und redeten. Alle lernte ich in Beschreibungen kennen, deine Eltern, deine Freundinnen, deine Freunde. Und wir sahen uns an, immerfort an. Du warst so wunderschön, deine hellen, immerzu strahlenden Augen, die feine, elegant geschwungene Nase, der sanfte Mund. Berührten uns mit einer Hand, tasteten, streichelten, wandernd überall, du an meinem Busen, Bauch bis zum Po und zurück, ich an deinem Busen, Bauch bis zum Po und zurück.

Eine endlose Nacht, voller naher Träume, brodelndem Begehren, tobenden Gefühlen. Du warst ich, ich war du. Beide ahnend, dass nur diese eine Nacht uns würde binden, kein Gedanke an morgen, nur hier und jetzt.

Eng umschlungen schlaflos bei Sonnenaufgang, deine Hand auf meinem Schoß, meine Hand auf deinem Schoß. Es klopfte an der Tür, deine Mutter mahnte dich schon zur Arbeit - in diesem Augenblick explodierten wir. Der erste Kuß, wild, wilder, immer wilder, Hände überall, drängend, fordernd. In Sekunden schoß ich aus dieser Welt, trieb weit hinaus in Wellen, kam und kam und kam immerzu. Spürte dich, hörte dein Stöhnen, wusste dich neben mir beim Ritt über die Wellen, waren endlich gemeinsam dort hinten am weiten Horizont über dem Meer.

Ich habe dich an diesem Tag verloren. Nie wieder getroffen, nie wieder geredet, wir hatten gewusst, es ist nur diese eine Nacht. Und dann dieses Hotel, das Zimmer weit hoch über den Dünen, der Seminarraum mit Blick auf den Strand, an dem wir tobten mit deinem Hund, lachten und redeten. Ich will dich wiedersehen. Muss dich wiedersehen.

Vor der Abreise nicht einfach fort, fahre hinaus zu dem Haus, in dem wir gemeinsam explodierten. Fast alles noch wie damals, die bunten Fensterläden, der herrliche Garten, das frische Weiß der Fassaden. Und dort stehst plötzlich Du, sehe dich im Fenster, erwachsen, doch so schön wie an jenem Tag. Deine Augen so hell, so strahlend, die feine, elegante Nase, der weiche Mund. Du eilst hin und her, Kinder rechts und links, du lachst, du neckst, du spielst mit ihnen, höre die Stimme eines Mannes, sanft und ruhig.
In diesem Fenster sehe ich das Glück lebendig sein. Spüre den Frieden, die Geborgenheit.

Ich störe. Ich würde stören. Nein, ich werde nicht stören.

Noch einmal durch das Fenster deine hellen, strahlenden Augen, dein Mund, den ich geküßt, als wir explodierten - es war unsere Nacht, nur eine, aber eine für die Ewigkeit. Ich gehe unentdeckt, fahre fort, fahre heim den weiten Weg nach Haus.

Fahre instinktiv, die Gedanken immer in jener Nacht, wandern zu dem Glück in deinem Heim, dort hinter den Fenstern bei den spielenden Kindern.

Das Handy klingelt, du bist es, du mein Schatz, bitte sage was, irgendwas, muss wieder zurück in die gewohnte Welt. Weihnachten, du hast etwas zu Weihnachten für mich, glaubst, würde es nie erraten. Wir spielen das alten Spiel. Raten und Necken und dann sagst du, ich hätte dazu einen Wunsch frei. Einen, einen einzigen.

Meine Gedanken sind dort draussen vor dem Fenster. Höre die lachenden Kinder, sehe das Spiel inmitten der kleinen Familie.

Schatz,
ja, einen Wunsch, den habe ich.
Aber den errätst du nie.


Liebe Grüße von
Laureen
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